The Merchant of Venice – schwaebische.de – Deutsch

Starke Aufführung, stilvolles Ambiente

„The Merchant of Venice“ wird auf Schloss Zeil gespielt

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The Merchant of Venice“ ist als amouröse Komödie angelegt, trotz des unverhüllten Antisemitismus. Hier finden sich Bassanio (rechts, Max Roberson) und die reiche Erbin Portia (Caroline Colomei). Bassanio hat die Aufgabe des verstorbenen Vaters.  Foto von Bernd Guido Weber

Schloss Zeil bgw Chateau de Chillon am Genfer See, Schloss Sigmaringen, Schloss Friedrichsruh, Schloss Mainau, Drottingholm Slott der königlichen Familie von Schweden: die „Castle Tour 2015“ glänzt mit illustren Spielstätten. Zum 21. Mal dabei ist Schloss Zeil. Hier haben die Schauspielerinnen und Schauspieler der American Drama Group Europa mit dem TNT Theatre Britain einen komödiantischen, gleichzeitig tiefsinnigen „Kaufmann von Venedig“ gegeben. In englischer Sprache. Kräftigen Beifall gab es dafür im gut besuchten Schlosshof, darunter viel Jugend.

Das Bühnenbild ist minimalistisch, was bei einem Wandertheater in der Tradition William Shakespeares ja Sinn macht, dabei wohldurchdacht. Die Zahl der Darsteller ist ebenfalls überschaubar: Zwei Frauen und vier Männer verleihen den unterschiedlichsten Charakteren Leben. Hinter den Kulissen sorgen deutlich mehr Leute für den Erfolg des Abends. Kein Regen, sommerliche Abendstimmung, schönster Blick auf die einst freie Reichsstadt Leutkirch, auf Land und Berge taten vor der Aufführung gut. Dass es zum Schluss hin recht frisch wird – nun ja, wir sind im Allgäu.

Der „Kaufmann von Venedig“ ist eines der populärsten Stücke von William Shakespeare. Eines, mit dem man auch politischen Schindluder treiben kann, wie während der Nazi-Diktatur geschehen. Protagonist ist – neben dem Kaufmann Antonio, dessen Freund Bassanio und der schönen, reichen Erbin Portia – der Jude Shylock. Ein Geldjude, ein „Wucherjude“ in Venedig. Nebenbei: dass Christen kein Geld gegen Zinsen ausleihen dürfen, keine Geldgeschäfte machen dürfen, ist längst Geschichte. Früher konnten nur die Juden mit Geldleihe reich werden, entsprechend blühten Missgunst und Verachtung.

Antisemitismus pur ist auch in Shakespeares Stück zu sehen, zumal sich Shylock nicht mit unmäßigen Zinsen das Darlehen über 3000 Dukaten versüßen will, sondern mit „einem Pfund Fleisch“ als Pfand. Herausgeschnitten aus dem Leib des Kaufmanns Antonio, der wiederum das Geld für die Brautwerbung seines Freundes Bassanio benötigt. Antonios Handelsschiffe erreichen nicht rechtzeitig den Hafen, sie scheinen gar verschollen zu sein. Shylock wetzt das Messer.

Beeindruckender Monolog

Ein schwieriges Stück also, zumal es als amouröse Komödie angelegt ist, mit lustigen, drallen Szenen, mit Happy-End. Nicht für Shylock. Der verliert Hab und Gut, ihm droht die Hinrichtung, so er nicht zum Christentum konvertiert. Dass auch Shylock, packend gespielt von Gareth Davies, keine Gnade kennt, ist tragisch – Folge jahrhunderterlanger Ächtung, dem fürstlich oder staatlich ausgeübten Antisemitismus. Der Monolog von Shylock ist einer der stärksten Momente des Abends.

Regisseur Paul Stebbings macht es sich nicht einfach, arbeitet den Judenhass klar heraus. Auch Shylocks Tochter Jessica (Holly Hinton) brennt mit einem Christen durch. In den „liner notes“ zum Stück betont Stebbings, die Lebensrettung von Antonio (Andrew Goddard) durch Portia (Caroline Colomei) sei ein femininer Sieg gegen das Patriarchat, mit bitterem Beigeschmack. Den unverhüllten Rassenhass inszeniert er als Warnung vor einer Welt, in der jede Grausamkeit vorstellbar ist.

Wohl wahr. Hochaktuell.