The Tempest – Augsburger Allgemeine – Deutsch

Landsberg

13. März 2016 15:50 Uhr

(original article)

Traumspiel auf magischer Insel

American Drama Group zeigt Aufführung von „The Tempest“ mit Fantasie und Poesie Von Bärbel Knill

Augsburger Allgemeine Le Petit Prince

Die American Drama Group Europe im Landsberger Stadttheater: Eine Inszenierung voller Fantasie und Poesie – und Akrobatik. Foto: Thorsten Jordan

„We are such stuff as dreams are made on, our little life is rounded with a sleep.“ Mit diesem Resümee über das menschliche Dasein endete im Landsberger Stadttheater die Vorstellung eines der letzten Stücke, die Shakespeare geschrieben hat: „The Tempest“, dargeboten in Originalsprache von der American Drama Group Europe. Traumartig und voll überbordender Fantasie, so ist das Stück angelegt, und so hat es die Truppe um Regisseur Paul Stebbings auch vermittelt.

Es war eine Vorstellung mit Musik und Gesang (Komponist John Kenny), mit zauberhaften Details und Ideen und von großer poetischer Kraft.

ANZEIGE

Eine magische Insel ist Schauplatz von Schicksalen und Verwicklungen, von Liebe, Racheplänen, Machtgier, Wollust, Verrat und Vergebung.

Es treten Zauberwesen auf, wie der monströse Hexensohn Caliban oder der Luftgeist Ariel. Aber auch ganz weltliche und bekannte Figuren wie Säufer, machtgierige Mörder und Betrüger und lustig anzusehende Dummköpfe. Die Inszenierung der ADG wartete wieder mit kreativen Überraschungen auf: Das Monster Caliban war von Zauberer Prospero in einen Felsen gebannt worden, und sein Oberkörper schaute vorne heraus, während Füße und Schwanz – viel zu weit weg – hinter dem Felsen hervorspitzten.

So bekam man den Eindruck, Caliban sein enorm groß, was unheimlich komisch wirkte. Geister wurden als kleine weiße Gliederpuppen von schwarz gewandeten Darstellern geführt, das wirkte gespenstisch. Jeder der Schauspieler zeigte im Stück seine Stärken: Geroge McLean beeindruckte als Luftgeist Ariel durch seine überirdisch geschmeidige Art, sich zu bewegen.

Michael Armstrong als Trinculo ist ein Komiker-Naturtalent, seine Sprünge und Kapriolen sind ein Spaß und brachten das Publikum immer wieder zum Lachen. Gareth Fordred und Mark Prince als Stephano und Prospero waren souverän in ihren Rollen, Rachel Middle als Miranda überraschte mit einer ausgebildeten Gesangsstimme und Glyn Connop war das ideale Monster mit grünem Irokesenkamm. So kippeln die Figuren – sehr werkgetreu – stets hin und her zwischen dramatischem und komischem, derb-weltlichem und überirdisch magischem Geschehen.

Es durfte gelacht werden, es gab clowneske Kapriolen, sogar einmal splitternackte Männer, und es gab zauberhafte und traumartige Elemente, wie das Eingreifen Ariels in die Bewegungen von Stephano, Trinculo und Caliban, die Liebesszenen von Ferdinand (Michael Armstrong) und Miranda oder den Entschluss Prosperos, jenen zu vergeben, die ihn in der Heimat verraten hatten. Das Stück konzentriert die Facetten des Lebens an einem Ort und in einer kurzen Zeitspanne, es endet mit den oben zitierten weisen Worten Prosperos, und damit des lebenserfahrenen Autoren, und entlarvt das Leben so als beständiges Traumspiel. Die Inszenierung der American Drama Group erzielt diesen Gesamteindruck durch ihr intensives Spiel und Musik, durch entrückte Atmosphäre, mit Witz und Ernst. Dankbar spendeten die Zuschauer lang anhaltenden Applaus.


Traumspiel auf magischer Insel – weiter lesen auf Augsburger-Allgemeine: http://www.augsburger-allgemeine.de/landsberg/Traumspiel-auf-magischer-Insel-id37214492.html