Romeo And Juliet
Spiel der verpassten Gelegenheiten
Englische Truppe zeigt "Romeo und Julia" in Laubach
LAUBACH (pe). Auf ihrer 17. Castle Tour machte das Theater TNT Britain & ADG Europe wieder Station im Laubacher Schlosshof. Mit dem Shakespeare Klassiker "Romeo und Julia" fand es in gut zweieinhalb Stunden rasch das vorwiegend aus Schülern bestehende Publikum. Auf einem Podium mit variabel einsetzenden Podesten vor einem Vorhang entwickelte sich die traurige Geschichte um Liebe und Tod als ein melancholisches Spiel der genutzten und verpassten Gelegenheiten, sinnfällig von Masken, Musik und Todessymbolen unterstrichen. Dabei wurde in der Inszenierung von Paul Stebbings neben der Vergänglichkeitssymbolik die Komödie nicht vergessen, wenn Natalia Campbell als schrille Nurse mit aufreizend dreckiger Lache Publikum und Ensemble aufmischte. Sie konnte drastisch lärmen und spitzbübig provozieren, auch im stummen Spiel stets präsent und wach.
Still wurde es, wenn das Ensemble in schöner Mehrstimmigkeit Lieder von Zeitgenossen John Dowland intonierte und Fermaten zwischen aktionsreichen Szenen zu setzen wusste. Das personenreiche Stück wurde mit behänder Verwandlungsfähigkeit bespielt, wenn die Darstellerin der Amme mit Barockperücke die hohe Obrigkeit verkörperte oder andere Darsteller in Zusatzfiguren schlüpften.
Im leicht gestrafften Text hatte trotz der dominierenden Amme das Liebespaar einprägsame poetische Momente. Dan Wilders blond gelockter Romeo war nicht nur eine Augenweide für das weibliche Publikum. Er konnte auch das Hangen und Bangen zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt glaubhaft machen. Die berühmte Balkonszene ließ die unzähligen Vorbilder vergessen. Dem Genre eines Wandertheaters angemessen, halfen ein zweiter Vorhang und die aufgestapelten Podeste dem liebestrunkenen Romeo als Leiter zu seiner Angebeteten. Diese Julia spielte Rachel Lynes weniger als schmachtendes Jungmädchen, sondern als eine der Etikette sich stark und bewusst widersetzenden Frau, die auch todesmutig ihrem Liebsten folgen kann.
Dem folgte auch das Publikum, das Shakespeares Wortwitz und das elegant-quicke Spiel mit Freude und Beifall genoss.
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