Romeo And Juliet
Langenthaler Tagblatt 04.04.2009
Dem Publikum viel abverlangt
Überraschendes „Romeo and Juliet“ im Stadttheater
Jana Fehrensen
Romeo und Julia ist für viele der Inbegriff für die schönste Liebesgeschichte der Literatur. Die romantische Balkonszene; Liebe bis in den Tod; das sind die Bilder, die einem bei diesem Stück sofort einfallen. Doch die Inszenierung des „TNT Britain Theatre“ hatte so rein gar nichts mit diesen Bildern gemeinsam. Ihr „Romeo and Juliet“ war weder eine große Liebesgeschichte noch eine Tragödie- Paul Stebbings Inszenierung zwang die Zuschauer, ihre Erwartungen zu revidieren – ja grundlegend zu ändern. Die Aufführung brach mit allen romantischen Theaterfassungen, die im 19. Jahrhundert gründen und Shakespeares Theaterfassungen auf einen unerreichbaren Sockel stellten. Paul Stebbings versuchte in seiner Interpretation, zu den Wurzeln zurückzukehren und dem Stück die ursprüngliche Frische zurückzugeben.
Schnelle Szenen- und Bühnenbildwechsel
Das Theater Shakespeares war stark von der italienischen Comedia dell’arte mit ihren Masken, Symbolen und der Musik beeinflusst. Dies war ganz klar auch in der Inszenierung von „TNT Britain Theatre“ zu spüren und hatte einen wesentlichen Einfluss auf die Deutung des ganzen Stückes. Wer eine Liebestragödie erwartete, musste zwangsläufig enttäuscht werden. Wer sich aber auf Paul Stebbings Fassung einliess, konnte eine Komödie mit einer tieferen Deutung erleben und die Sprache Shakespeares geniessen. Die Leistung des Ensembles war beeindruckend, schnelle Rollenwechsel wetteiferten mit noch schnelleren Szenen- und Bühnenbildwechseln. Neben dem anspruchsvollen Text wurde auch Musik und Gesang ganz natürlich in das Stück integriert, wie es zu Shakespeares Zeiten üblich war. Interessant war auch die Eingliederung der Symbolfigur des Todes, die sich als roter Faden durch die Inszenierung zog und so einen Gegenpol zu dem derb-komedialen Charakter bildete.
Romeo and Julia in der Fassung von „TNT Britain Theatre“ war wahrscheinlich viel näher an der ursprünglichen Aufführungspraxis von Shakespeare als die meisten anderen Film- und Theaterfassungen. Es war ein sehr mutiger Schritt, den er fordert dem Publikum viel ab. Es musste mit den herkömmlichen Erwartungen an das Stück brechen und bereit sein, neue Facetten zu entdecken. Ob alle Zuschauer dazu auch bereit waren, bleibt fraglich. Dazu sind die Vorstellungen über Shakespeares Stücke zu sehr noch von romantischer Tradition geprägt.
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